Daten und Erkenntnisse

Aktueller Datenbestand

Mit Stand zum 01. September 2020 enthält die Datenbank Fish Trek Stammdaten von 106.581 individuell markierten Fischen aus 42 verschiedenen Arten.

Anhand von Einsendungen, bzw. Rückmeldungen konnte die Herkunft von 469 Individuen geklärt werden: 373 Rückmeldungen stammen aus dem Elbe System und 2 weitere aus der Ostsee, 44 markierte Aale wurden in der Fulda per Elektrofang nachgewiesen und 2 Aale stromabwärts davon in der Weser. 31 Fische diverser Arten wurden aus dem Hochrhein stromaufwärts von Basel gemeldet, 12 aus der Diemel und 5 aus der Wupper.

Wir danken an dieser Stelle allen Anglern und Fischern, Fischverkäufern, Restaurants und Köchen sowie auch aufmerksamen Spaziergänger, die uns seit 2009 markierte Fische oder Markierungen eingesandt und zu dieser Datenbasis beigetragen haben!

Darüber hinaus liegen jedoch 263 an automatischen Antennenstationen registrierte Codes von mit Transpondern markierten Individuen vor, deren Herkunft unbekannt ist.

Welche Arten wurden zurückgemeldet?

Die in der Datenbank Fish Trek bisher enthaltenen Stammdaten von individuell markierten Fischen entfallen auf 42 Arten. Zurückgemeldet wurden dem gegenüber nur 27 Arten, bei denen es sich in der Mehrzahl um Speisefische handelt. Die meisten Rückmeldungen entfallen auf Zander, Aal, Meer- und Bachforelle. Demgegenüber wurde bisher jeweils nur ein markierter Lachs, Wels, Zope und Güster zurückgemeldet.

Artverteilung markierter Fische

Artverteilung der gefundenen markierten Fische

Wo wurden markierte Fische gefunden und wie weit sind sie gewandert?

In der Karte sind die Orte verzeichnet, wo individuell markierte Fische besetzt und wieder aufgefunden worden sind.

Dass anadrome Aufwanderer wie Lachs, Flussneunauge und Meerforelle große Distanzen zurücklegen, überrascht nicht. Doch beweisen die Rückmeldungen potamodromer Arten, dass auch Arten aus dieser Gilde einen Aktionsradius von teilweise mehreren 100 km haben. Beispielsweise sind für die Barbe Wanderdistanzen von mehr als 300 Fluss-km in der Elbe belegt. Beim Zander sind es sogar mehr als 500 Fluss-km, obwohl diese Fischart in vielen Publikationen als „Standfisch“ bezeichnet wird.

Art

Wanderdistanz

stromauf

stromab

Lachs

Salmo salar

660 km
Zander

Sander lucioperca

516 km

51 km

Barbe

Barbus barbus

334 km

Flussneunauge

Lampetra fluviatilis

207 km

Rapfen

Aspius aspius

188 km

30 km

Quappe

Lota lota

159 km

9 km

Meerforelle

Salmo trutta f. trutta

155 km

212 km

Aland

Leuciscus idus

135 km

12 km

Flussbarsch

Perca fluviatilis

114 km

Plötze

Rutilus rutilus

82 km

Brachsen

Abramis brama

4 km

20 km

Schwarzmundgrundel

Neogobius melanostomus

1,5 km

Karpfen

Cyprinus carpio

6 km

Aal

Anguilla anguilla

78 km

Dass Fische auch in stauregulierten Gewässern beträchtliche Distanzen zurücklegen, verdeutlichen die Rückmeldungen zweier Barben, die von „Saumon Rhin“ im Jahr 2018 markiert und im Unterwasser der Staustufe Gambsheim im Rhein besetzt worden waren. Diese beiden Fische waren binnen eines Jahres über 160 km stromaufwärts gewandert, wobei sie nicht weniger als 10 Staustufen überwunden hatten.

Wie lange waren die Fische unterwegs?

Bei dem Exemplar, das bisher am längsten zwischen Markierung und Wiederfang im Gewässer unterwegs gewesen ist, handelt es sich um einen Aland. Dieser war am 23. März 2012 am Elbewehr in Geesthacht mit einer Länge von 44 Zentimeter und einem Gewicht von 1.315 Gramm mit Transponder markiert worden. 3.068 Tage später, d. h. nach 8,4 Jahren, wurde der Aland am 21. August 2020 mit der Handangel gefangen. Der Rogner war zwischenzeitlich um 8 Zentimeter gewachsen und hatte um etwas mehr als 1 Kilogramm Gewicht zugenommen.

Festgestellte Reisezeit zwischen der Markierung und dem Wiedernachweis des Fisches

Wenngleich der Fangort von Aland 174754626 nur wenige Kilometer stromabwärts vom Besatzpunkt gelegen war, wurde der Fisch in den Jahren zwischen Markierung und Fang zig-Mal von den Antennen in den Fischaufstiegsanlagen am Wehr Geesthacht registriert, wovon sein „Reisetagebuch“ berichtet:

Reistagebuch für:

Aland (Leuciscus idus) Code: 174754626

Ide (Leuciscus idus)

wann registriert? Wo automatisch von Antennen registriert?
23. 03. 2012 markiert
16. 04. 2012 10:22 – 14:43 Uhr Doppelschlitzpass am Wehr Geesthacht/Elbe
18. 04. 2012 16:56 – 17:10 Uhr Umgehungsgerinne am Wehr Geesthacht/Elbe
16. 01. 2013 11.34 – 12.24 Uhr Umgehungsgerinne am Wehr Geesthacht/Elbe
09. 08. 2015 08:41 Uhr Doppelschlitzpass am Wehr Geesthacht/Elbe
30. 09. 2015 14:34 Uhr Doppelschlitzpass am Wehr Geesthacht/Elbe
27. 03. 2016 14:20 – 14:22 Uhr Doppelschlitzpass am Wehr Geesthacht/Elbe
21. 04. 2016 19:20 Uhr Doppelschlitzpass am Wehr Geesthacht/Elbe
15. 05. 2015 19:41 Uhr Doppelschlitzpass am Wehr Geesthacht/Elbe
21. 08. 2020 letzter Nachweis

Einzelschicksale

Rückmeldungen von markierten Fischen liegen auch aus isolierten Abgrabungsgewässern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vor. Diese Exemplare waren nachweislich in der Elbe markiert besetzt worden, bevor sie von Berufsfischern gefangen, als Besatzmaterial verkauft und in isolierte Angelgewässer verbracht worden sind.

Kurios ist schließlich auch die Rückmeldung eines ursprünglich in der Elbe besetzten Zanders, der auf dem Hamburger Fischmarkt als Fisch „aus Boddengewässern der Ostsee bei Rügen“ verkauft worden war. Da keine Verbindung zwischen der Elbe und dem angeblichen Fangort existiert, belegt diese Rückmeldung eine falsche Herkunftsdeklaration.